Live your life... Love your life... But don´t hate your life...

Flucht als Reise in den Schrecken

 

Krieg ist eine schreckliche Sache. Und so wie ich das sehe, ist es sogar die schrecklichste Sache der Welt. Wo es Krieg gibt, gibt es auch Tote und wo Tote sind, gibt es oftmals auch Flüchtlinge. Denn vor dem Tod haben die Leute am meisten Angst. Aber jetzt fang ich erst einmal mit meiner Geschichte an. Mein Name ist Ayana und ich lebe jetzt schon ungefähr zwei Jahre in Deutschland. Davor lebte ich in Eritrea, doch dort ist ganz plötzlich ein schlimmer Bürgerkrieg ausgebrochen. Deshalb wurde mein Vater in die Arme geordert und meine Mutter musste sich alleine um mich und meine fünf Geschwister kümmern. Während meine Mutter und meine zwei älteren Brüder tagsüber immer arbeiteten, versteckte ich mich mit meinen drei Schwestern im Keller in unserem damaligen Haus. Meistens erzählte ich ihnen Geschichten oder wir spielten mit unseren Puppen, dass wir eine glückliche Familie seien und dass wir in einem Land leben in dem es keinen Krieg gäbe. Leider platzten unsere Träume jenem Abend, an dem das Telefon klingelte. Denn nach diesem Telefonat brach die Welt über unseren Köpfen zusammen. Unsere Mutter weinte von da an Tag ein und aus und niemand von uns wusste, was los war. Außerdem ließ sie sich auch kein bisschen beruhigen. So musste ich mit meinen Brüdern losziehen, um Nahrung zu beschaffen. Eines Tages machten wir eine so gute Beute, dass sie sicher für eine ganze Woche gereicht hätte, doch genau an diesem Tag veränderte sich das Leben von meiner Familie für immer. Meine Brüder und ich waren schon fast zuhause, als über uns auf einmal Bombenflugzeuge flogen. Wir fingen an zu rennen. … und ich kamen zuerst im Türrahmen unseres Hauses, in der unsere Mutter schon wartete, an. Doch genau dann, als wir uns zu … umdrehten, geschah es, das Flugzeug ließ eine Bombe fallen. In meinem Kopf spielte sich alles in Zeitlupe ab. Die Bombe fiel, sie kam auf, es gab einen riesigen Knall und mein Bruder wurde in tausend Stücke gerissen. Nachdem es geschehen war erlitt ich einen Ohnmachtsanfall. Als ich wieder aufwachte, lag ich hinten in unserem Karren. Vor ihn waren unsere zwei alten Esel gespannt und wir trabten in den Sonnenuntergang. „Sie ist wach!“, schrie meine Schwester, als sie sah, wie ich meine Augen aufschlug. „Was ist passiert?“, fragte ich meine Mutter. Meine kleine Schwester wand schnell ein: „Wir fliehen!“ „Warum? Papa ist doch noch hier!“ Sofort fing meine Mutter an zu weinen und wieder verstand niemand was los war. Für den Rest des Abends fuhren wir schweigend weiter. Und auch die nächsten Tage fuhren wir einfach nur stur weiter Richtung Meer, ohne etwas zu essen und zu trinken. Nachts fingen meine Geschwister manchmal an zu schluchzten, womit sie dann aber abrupt wieder aufhörten. Nach ungefähr vier Nächten kamen wir endlich im Hafen an, wo schon ein Flüchtlingsboot auf uns wartete. Es war überfüllt und der Mann der die Leute an Bord brachte zog uns auch noch unser letztes Geld aus der Tasche, aber trotzallem bestand meine Mutter darauf, dass wir alle gemeinsam das Land verließen und das auf der Stelle. Anfang der Überfahrt verlief alles glatt, doch dann kam plötzlich ein schrecklicher Sturm auf. Das überfüllte Boot fing heftig an zu Schaukeln, es schwappte Wasser über den Rand und manche Menschen vielen sogar aus dem Boot. Den Leuten konnten wir einfach nicht mehr helfen, da sie wegen der hohen Wellen rasend schnell ertranken. Es war wirklich furchtbar. Alle weinten und die kleinen Kinder schrien. Als am nächsten Morgen der Sturm endlich aufhörte waren alle überglücklich und gleichzeitig auch sehr traurig, dass sie viele ihrer Mitmenschen verloren hatten. Nach zwei Wochen Schiffsfahrt ankerten wir. Es war ein seltsames Land in das wir gebracht wurden. Alle Menschen waren so blass und sie redeten eine so komische Sprache. Der Bootsführer erklärte: „Dies ist das Land Deutschland, hier werdet ihr bestimmt irgendwo Schutz finden.“ Nach diesen Worten stieg er wieder in sein Boot und verließ uns. Ich fühlte mich irgendwie völlig hilflos, doch meine Mutter wusste anscheinend genau was zu tun war. Sie führte uns durch die riesigen Menschenmassen hindurch zu einem riesigen Gebäude, auf dem in Großbuchstaben stand „RATHAUS“. Ich wusste zu dem damaligen Zeitpunkt zwar noch nicht die Bedeutung für dieses Wort, aber ich hoffte, dass uns dieses Haus weiter helfen konnte. Von innen sah das Haus noch größer, edler und eleganter aus, als von draußen. Es besaß goldverzierte Möbel und Kronleuchter aus Diamanten. Und hinter einem riesigen Schreibtisch auf einem schwarzen Ledersessel saß ein fetter, aufgeblasener Mann, der aussah als wäre er so reich, dass er sich ganz Eritrea unter den Nagel reißen könnte. Der Mann fragte uns etwas, doch ich verstand es nicht. Meine Mutter antwortete: „Help us, please! We come from Eritrea! Please, help us!” Der aufgeplusterte Mann jedoch lachte nur schälmisch und sagte wieder etwas, was ich nicht verstand. Doch meine Mutter übersetzte es für uns: „Der böse Mann hat gesagt, dass das unser Problem ist und dass wir doch einfach in ein Flüchtlingslager gehen sollen!“ Nach diesem Vorfall fühlte ich mich äußerst schlecht. Doch meine Mutter gab nicht auf und schlug vor, dass wir es in der nächsten Stadt noch mal versuchen. Doch als wir dort nach drei Tagen ankamen und auch dort abgewiesen wurden, verließ auch sie der Mut. Plötzlich aber kam meinem Bruder eine brillante Idee und zwar hatte er mal gelesen, dass man in Gebäuden Gottes, also Kirchen, Schutz suchen kann. Diese Idee war einbahnfrei. Wir gingen in die nächste Kirche und baten dort den Pfarrer um Schutz, welcher uns diesmal sogar gewährleistet wurde. Wir verbrachten fünf Nächte in einem der Hinterzimmer in der Kirche. Der Pfarrer kümmerte sich derweil darum, dass wir richtige Unterstützung bekamen. Als nächstes wurden wir dann in ein sehr hohes Haus gebracht, indem wir sogar unsere eigene Wohnung mit zwei Zimmern bekamen. Meine Mutter bekam auch einen Job, zwar nur als Putzfrau, aber wenigstens etwas. Meine vier Geschwister und ich durften sogar anfangen eine richtige Schule zu besuchen. Doch das Rätsel um unseren Vater war immer noch nicht geklärt und meine Mutter weinte sich nachts immer wieder die Seele aus dem Leib. Nach ungefähr einem Jahr Aufenthalt in Deutschland konnten wir schon ein wenig Deutsch sprechen. Außerdem haben meine Geschwister und ich neue Freunde gefunden. Nur meine Mutter war immer noch unglücklich. So beschlossen wir, sie nochmal darauf anzusprechen. Und tatsächlich erzählte sie uns diesmal die ganze Geschichte. „Könnt ihr euch noch an den Anruf vorletztes Jahr, nachdem ich so geweint habe, erinnern? Dieser Anruf war von dem Kaptein eures Vaters. Er hatte mir etwas sehr wichtiges mitzuteilen“, sie schwieg für einen Moment und fuhr dann fort: „Ich wollte es euch eigentlich schon an dem Tag sagen als ihr so eine riesige Beute gemacht habt, doch dann starb euer Bruder und ich wollte euch nicht noch mehr belasten. Also, der Kaptein teilte mir mit, dass euer Vater bei einem Frontalangriff ums Leben kam!“ Nach diesen Sätzen schiegen wir und auf einmal brach es aus mir heraus. Ich fing einfach an zu weinen. Was verständlich war, denn ich hatte in den ganzen zwei Jahre den Frust und die Trauer über den Tod meines Bruders in mich hineingefressen und dann erfuhr ich auch noch, dass mein Vater auch schon vor zwei Jahren gestorben war. Das war einfach zu viel für mich. Um das zu verkraften, verkroch ich mich für die nächsten zwei Wochen in mein Bett und sprach mit niemandem mehr. Dann entschloss ich mich aber doch, nochmals mit meiner Familie darüber zu reden. Die Aussprache tat mir sogar sichtlich gut, denn danach fühlte ich mich schon viel besser und konnte auch ohne Probleme wieder in die Schule gehen. In diesem Gespräch haben wir auch festgelegt, dass wir die Todestage meines Bruders und meines Vaters jetzt jährlich feiern werden. Jetzt wisst ihr auch warum ich den Krieg so verabscheue. Er hat meiner Familie die wichtigsten Menschen in unsere Leben genommen. Deshalb finde ich es nicht gut, wenn sich Menschen über den Krieg lustig machen.

Diese Geschichte basiert auf sehr gut recherchierten Wahrheiten! Denkt mal darüber nach Leute!

8.6.15 14:56

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